Inklusionstage in Stendal

Als Unterzeichner der seit 2009 geltenden UN-Behindertenrechtskonvention verpflichtet sich Deutschland, eine Gesellschaft zu fördern, in der jede*r in gleicher Weise Teilhabe am Zusammenleben erhält. Hochschulen verstehen sich als Orte des Fortschritts. Dies bezieht sich aber nicht nur auf den wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn, sondern auch auf die Frage, wie wir zukünftig unser Zusammenleben gestalten wollen. Aus diesem Grund tragen auch Hochschulen dafür Sorge, die für die UN-Behindertenrechtskonvention notwendigen Schritte zur Umsetzung zu berücksichtigen und eine inklusive Gesellschaft zu fördern. Deshalb laden wir euch ganz herzlich zu den Inklusionstagen in der Kleinen Markthalle Stendal (Hallstraße 49, 39576 Stendal) ein. Jede*r der sich für das Themenfeld Inklusion interessiert ist herzlich willkommen.

Ort: Hallstraße 49, 39576 Stendal am Donnerstag 31.5. & Freitag 1.6.

Ablaufplan

 

Donnerstag 31.05.

  • 14:50 Uhr Begrüßung durch die GHG Stendal
  • 15:00-16:30 Uhr Robert Kruschel: Universitäten und Hochschulen auf dem Weg zur Inklusion? – Ein Praxis-Workshop

Fühlt sich jede*r Student*in an der Universität/Hochschule willkommen? Wie wird Teilhabe und Mitbestimmung sichergestellt? Sind Lehrveranstaltungen so organisiert, dass sie die heterogenen Lernvoraussetzungen der Student*innen beachten? Bemerken es Student*innen und Mitarbeiter*innen, wenn andere diskriminiert und/oder ausgeschlossen werden? Diesen und anderen Fragen wird mit Hilfe des Instruments ‚Index für Inklusion‘ im Workshop nachgegangen. Ziel der Veranstaltung ist es, gemeinsam zu lokalisieren, wo sich in der Universität/Hochschule bereits inklusive Momente zeigen und an welchen Stellen noch Herausforderungen zu finden sind – und wie diesen begegnet werden kann.

  • 16:45-17:45 Uhr Studierende der Hochschule Magdeburg-Stendal (Vollenschier & Bellan): Vortag „Die Subjektivität der Wahrnehmung – Stendal aus Rollstuhlperspektive“

Schon Nietzsche sagte, „Den unverstellten Zugang zur Wirklichkeit gibt es nicht. Wir befinden uns immer im Reich der Interpretation, die sich auf einen ungewussten, vielleicht unwissbaren, aber gefühlten Kontext bezieht.“ Vor dem Hintergrund der hier aufgeführten subjektiven Wahrnehmung eines jeden Individuums war es uns, Cara Vollenschier und Linda Bellan, als Studierende der Rehabilitationspsychologie ein Anliegen, die Perspektive zu wechseln und Stendal einmal vom Rollstuhl aus zu erkunden. Hierbei trifft man auf die große Frage der Barrierefreiheit: in der eigenen Wohnung und im Stadtbild, aber auch in den Köpfen unserer Mitmenschen. Mit einer kurzen Einführung in die allgemeinpsychologische Sicht und viel anschaulichem Bildmaterial zu unserem Selbstexperiment nehmen wir Bezug auf die veränderte visuelle und soziale Wahrnehmung. Gern möchten wir unsere ZuhörerInnen und ZuschauerInnen dazu mitnehmen – sowohl hin zu einem kritischeren Blick auf die wunderschöne Altstadt als auch weg von einer vorurteilbehafteten Wahrnehmung gegenüber Menschen mit körperlichen Behinderungen.

  • 17:45-18:30 Uhr Dr. Carsten Rensinghoff: Peer Support/Counselling als Motor zur Inklusion

Im Vortrag wird die Beratungs- und Unterstützungsmethode Peer Support/Counseling, also die Beratung und Unterstützung Betroffener und entscheidender Anderer durch Betroffene, thematisiert. Peer-Beratung und -Unterstützung ist über das Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen und das SGB IX rechtsverbindlich. Die ergänzende unabhängige Teilhabeberatung (EUTB) bedient sich seit dem 1. Januar 2018 der Peer Counselling-Methode, die auch im hochschulischen Kontext in Forschung und Lehre in Betracht zu ziehen ist und letztendlich in dieses System Eingang finden soll und muss. Letzteres ist notwendig, damit Inklusion vollumfänglich garantiert wird.

  • 18:45-20:20 Uhr Filmvorführung: Berg Fidel — Eine Schule für alle

„Wenn Kinder nicht von klein auf lernen, dass die Menschen verschieden sind, wann dann? An der inklusiven Grundschule „Berg Fidel“ gehören alle dazu: ob hochbegabt oder lernschwach, geistig oder körperlich beeinträchtigt. Im Film kommen die Kinder zu Wort. Vier kleine Protagonisten erzählen mit Witz und Charme aus ihrem Schulalltag und sagen in ihrer unvergleichlichen Weise mehr als so mancher Erwachsene. „

Freitag 01.06.
  • 10:00-11:30 Uhr Dr. Michael Zander: Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen“: Ist Inklusion „Kommunismus für die Schule“?

Öffentliche Debatten über schulische Inklusion münden häufig in polarisierende Argumentationen: Die einen versprechen sich von Inklusion die Verwirklichung von Menschenrechten und weitreichender pädagogischer Ansprüche; die anderen warnen vor einem angeblichen Qualitätsverlust des Bildungssystems und einem Abrücken vom Leistungsprinzip. Erschwerend kommt hinzu, dass der Begriff der Inklusion mit verschiedenen Bedeutungen versehen wird, so dass nicht immer klar ist, worüber genau gestritten wird.

  • 11:45 – 13:15 Uhr Judyta Smykowski (Leidmedien) : „Tapfer meistert sie ihr Schicksal“ 

Die Berichterstattung über behinderte Menschen ist hierzulande immer noch sehr emotional konnotiert. Mal sind Menschen mit Behinderung Alltagshelden, die sich nicht unterkriegen lassen, mal sind sie Opfer ihres Schicksals und leiden an der Behinderung. Können sie aber nicht einfach nur Protagonistinnen und Protagonisten sein, weil sie einen interessanten Beruf erlernt haben, sich für etwas einsetzen oder Prominente sind?

  • 14:00 – 15:00 Uhr Mitarbeitende des InQTheL Projekts: Inklusive Kindheitspädagogik als Querschnittsthema in der Lehre

Im Februar 2018 startete an der Hochschule Magdeburg-Stendal ein Vorhaben zur inklusiven Kindheitspädagogik. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Anliegen des Forschungsvorhabens ist die Ausweitung und Implementierung inklusiver Bildungsprozesse in den früh- und kindheitspädagogischen Studiengängen zu fördern.

  • 15:30 – 17:00 Uhr Mirka Schulz: Sexualität & Behinderung

Sexualität ist Lebensenergie und ein primäres Motiv für menschliches Verhalten. Sexualität fördert die persönliche Entwicklung und Selbstfindung. Sie dient in Beziehungen der Kommunikation und vermittelt das Gefühl des Angenommen seins und der Zugehörigkeit.
Je schwerer die körperliche und geistige Behinderung ist, desto weniger traut man Menschen zu, Bedürfnisse nach körperlicher Nähe und Sexualität haben und ausleben zu können. Für Menschen mit Behinderungen gelten dieselben Menschenrechte wie für alle Menschen. Das schließt selbstverständlich auch die Rechte auf Partnerschaft, Ehe, Familie, Elternschaft ein.
Wenn Frauen und Männer ernst genommen werden und einen gleichberechtigten und selbstbestimmten Platz in der Gesellschaft einnehmen, lässt sich auch ihre Sexualität nicht mehr ausblenden. 


Die Teilnahme ist kostenfrei

Der Veranstaltungsort ist barrierefrei

Kontakt: post@ghg-stendal.de 

Gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung; gemeinsam organisiert mit dem Campusgrün Bildungswerk e.V.